Stadtteilportät von Garath  
 
 
 

Garath ist eine beispielhafte Wohnsiedlung, die in den 60er Jahren erschlossen wurde. Bereits zuvor bestand das Dorf am Hofe des Burgherren von Burgsdorff im von Landwirtschaft geprägtem Garath. Erste Erwähnungen des Ortes reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück, bei dem der Name Garderode fällt und die alte Garather Mühle genannt wird. Heute sind kaum Überreste dessen zu entdecken. Maßgebend für die Entwicklung Garaths war die 'Grundsteinlegung' am Ende der 50er Jahre, die durch die akute Wohnungsnot erforderlich geworden war.

Im Folgenden soll ein Überblick über die Entstehung des Stadtteils ein Gefühl für das Leben inmitten Garaths geben.

 
  Gründe für die Bebauung Garaths  

 

Das größte geschlossene Wohnungsbauvorhaben in der Stadtgeschichte von Düsseldorf birgt seine Gründe in der Zerstörung des Zweiten Weltkrieges. Insgesamt waren über 60% der Wohnungen im inneren Stadtgebiet unterschiedlich schwer beschädigt. Hinzu kam, dass Düsseldorf nach dem Krieg 1946 zur Landeshauptstadt von Nordrhein Westfalen ernannt wurde und sich zur Großstadt entwickelte. Die Einwohnerzahlen stiegen stetig an. Insbesondere Auswanderer aus der von den Sowjets besetzten Zone Ostdeutschlands (DDR) und die Bewohner der Innenstadt suchten dringend Wohnraum. In einigen damaligen Vororten der Innenstadt wie zum Beispiel im Stadtteil Düsseldorf-Eller wurde die Wohnbebauung erheblich konzentriert und die vielen Baulücken gestopft, womit die Wohnqualität gleichzeitig sank. Um allen Einwohnern der Stadt zu dieser Zeit eine anständige Unterkunft zu bieten, hätte man mit rund 20.000 neuen Wohnungen die Einwohnerzahl nicht erhöht, was bedeutet, dass der Wohnstandard nach dem Zweiten Weltkrieg auf das mindeste geschrumpft war und die Menschen in der Stadt in improvisierten und überbelegten Unterkünften hausen mussten. Zusätzlich kamen die Flüchtlinge der DDR, die nach einer neuen Heimat suchten. Viele Kleingartenanlagen, die vom Krieg verschont blieben, wurden umfunktioniert zu Wohnstätten. Gartenhäuschen boten auch noch Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre einer ganzen Familie das zu Hause. Stadtplaner drückten diesen Missstand mit dem Begriff des starken Bevölkerungsdrucks aus. Gleichzeitig wuchsen mit der Wirtschaft auch der Wohlstand in der Bevölkerung und der allgemeine Wille nach einem anständigen Wohnraum, der genügend Platz für die ganze Familie bietet, sprich eine Verbesserung des Wohnstandards war nicht zu umgehen. Die Stadt Düsseldorf fürchtete schließlich massiv, wenn keine Verbesserung des Wohnstandards stattfinden würde, dass ein Großteil der Bevölkerung die Stadt verlassen wird und damit entweder einen längeren Arbeitsweg in Kauf nehme oder die Berufstätigen anderswo Arbeit finden würden, sodass die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt abhängig war von dem Wohnungsbau. Des Weiteren bangte die Stadt weitreichende Verkehrsprobleme durch den Anstieg des Individualverkehrs und damit einen weiteren Verlust an Attraktivität, wenn die Aussicht nach vielen Pendlern bestand. Es existierte demnach nur die Chance entweder den Wohnungsbau voranzutreiben oder an Bedeutung durch Abwanderung zu verlieren und damit dem Status der Landeshauptstadt nicht mehr gerecht zu werden.

Stadtkarte Düsseldorf Garath, Quelle: Landeshauptstadt Düsseldorf

 

Neue Wohngebiete zu erschließen war notwendig geworden, weil man Mitte der 50er Jahre erkannt hatte, dass durch Neubaumaßnahmen und Verdichtung kein nachhaltiger Erfolg erreicht werden konnte. Im Flächennutzungsplan der Gesamtstadt von 1955 beschloss man erstmals einen neuen Wohnstadtteil am Rande der Großstadt zu errichten, der noch innerhalb der Stadt liege, aber an dessen Grenzen. Die Möglichkeiten dazu hätte man an mehreren peripheren Randlagen nutzen können, doch bot sich Garath geradezu an. Das einst durch die Landwirtschaft bekannt gewordene Garath hatte nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung verloren. Es bot eine Landschaft, die zwischen einem alten Rheinarm und dem Staatsforst nahezu eben war. Da keine Bodenschätze vorhanden waren und die Fruchtbarkeit der Äcker wegen der Stilllegung des Rheinarms nicht mehr durch Überschwemmung mit Nährstoffen versorgt wurden, konnte nur noch extensiv bewirtschaftet werden. Die günstige Verkehrssituation durch die Bahnstrecke, die inmitten Garaths verläuft, wurde als Vorteil gewertet, sodass man sich entschied den neuen Stadtteil mit dem Ausbau einer S-Bahnstrecke an den Stadtkern optimal anzubinden. Zudem mussten kaum Flächen erworben werden, da sich ein Großteil im städtischen Grundbesitz befand. Entscheidender Vorteil war aber auch, dass die im 15. Jahrhundert gerodete Fläche bis auf einzelne Häuser um die Höfe vollkommen unbebaut war. Aus der Brachfläche ‚Standort Garath‘ wurde vom einen auf den anderen Tag der bedeutungsvolle Motor für die wirtschaftliche Entwicklung der Landeshauptstadt. Bei der Erarbeitung des Flächennutzungsplanes 1957 nahm schließlich der Plan der Wohnstadt seine Gestalt allmählich an.

 
 
 
S-Bahnhof Garath-Westseite um 1964, Foto: Walter Töpfer
 
Planungen und Umsetzung

 

Die Planungen zu dem gigantischen Bauprojekt Düsseldorf-Garath begannen im Flächennutzungsplan von 1955 und nahmen Form an im zwei Jahre daraufhin erschienenem Nachfolgeplan. 1958 wurden von der Stadt Mittel für einen Ideenwettbewerb zur Verfügung gestellt. Insbesondere Berücksichtigung fand die Verknüpfung des Stadtteils durch den Verlauf der Bahn inmitten der Fläche. Geplant war auf dem Areal von über 225 ha zwischen 20.000 und 32.000 Einwohnern ein neues zu Hause zu bieten. Die Ausschreibung verlangte, dass 80% der hauptsächlich ein- und zweigeschossigen empfohlenen Reihenhäuser und drei- bis viergeschossigen Mehrfamilienhäuser im sozialen Wohnungsbau erstellt werden sollten. In der Baustruktur sollten höher geschossige Mietwohnhäuser die Ausnahme bilden. Im Frühsommer 1959 nahm das ‚Planungsbüro Düsseldorf-Garath‘ unter der Leitung des ersten Preisträgers Prof. Guther mit den Dipl.-Ing. Hartog und Stalling die Arbeit auf. Die Vorstellungen des Planungsteams teilten den neuen Stadtteil in vier Bauabschnitte ein, die von der Bahnlinie und der dazu parallel verlaufenden neuen Kraftfahrstraße getrennt werden sollten. Schwerpunkt lag auf dem zentralen Bereich mit dem Bahnhof, der eine Verknüpfung des Ost- und Westteils bieten sollte. Im Oberzentrum sollten beiderseits des Bahnhofs Geschäfte angesiedelt werden, die nicht nur dem täglichen Bedarf der Bewohner dienen sollten. In einem jeweiligen Unterzentrum sollte in jedem Bauabschnitt Einzelhandel untergebracht werden, der nur für den täglichen Bedarf sorgt, sodass in diesem Bereich eine deutliche Gliederung entsteht. In den Unterzentren wurden jeweils auch weitere Funktionen, wie Grundschule, Kindergarten und Kirchen gebaut, sodass in jedem Bauabschnitt unabhängig voneinander alle notwendigen Funktionen vorhanden und per pedes günstig zu erreichen waren. In Garath sahen die Planer somit die Möglichkeit das erste moderne Einkaufszentrum in einem sich schnell entwickelndem Raum zu errichten, das auch für die benachbarten Stadtteile von Bedeutung werden würde, da auch dort noch Potenzial zur Erweiterung bestand. Es sollte vermieden werden überfüllte Geschäftsstraßen zu planen, anstatt dessen war ein vielseitig ausgestattetes für die damalige Zeit revolutionäres Einkaufszentrum mit Fußgängerzone geplant. 1967 eröffnete schließlich das Warenhaus Karstadt seine Filiale im Herzen des Stadtteils und sorgte für die Grundversorgung der Garather.

Blickrichtung Einkaufszentrum Garath-Westseite um 1964, Foto: Walter Töpfer

 

Das Fußwegenetz wurde in Garath großzügig ausgebaut und ist größtenteils nicht an die Straßen gebunden, sodass auch Kinder ohne Aufsicht sicher in Garath unterwegs sein können. Völlig einzigartig und in Erwartung, dass Garath eine der kinderreichsten Stadtteile wird, schufen die Architekten am Rande des Fußwegenetzes große Spielplätze oder Spielwiesen, die insgesamt auch der Auflockerung zwischen den Wohnblöcken dienten. Rund alle 250 m Fußweg erreicht man in Garath einen Kinderspielplatz, sodass die Attraktivität für die Ansiedlung von jungen Familien absolut gegeben war. Aufgrund der vollständigen Neuplanung des Territoriales ließen die Architekten ein praktisches Ringstraßenviereck in die jeweiligen Bauabschnitte bauen, das verbunden mit der Schnellstraße und der Bundesautobahn für eine optimale Verbindung in Richtung Köln und Düsseldorf sorgt. Durch die parallel verlaufenden Verkehrswege: Bundesautobahn, Schnellstraße und Bahnstrecke fand eine Lärmkonzentration auf geringer Fläche statt, die mit Hilfe von Lärmschutzwänden und so genannten Schutzpflanzungen am Straßenrand gedämpft werden sollte.

 

Die damalige Baulandnot, die insbesondere wegen der massenhaften Umsiedlung der Ostdeutschen Bürger der DDR hervorgerufen wurde, erforderte die Planungen noch einmal zu revidieren. Die Anzahl der Kaufmietwohnhäuser wurde im dritten und vierten Bauabschnitt noch einmal erhöht, sodass mehr Bewohner auf gleicher Fläche untergebracht werden konnten. Es war vorgesehen mehr Privateigentum zu fördern, jedoch wurde infolge der Not auf Kaufmietwohnhäuser zurückgegriffen, die drei- bis viergeschossig zwischen sechs bis zwölf Wohnungen auf der Fläche beherbergen, auf der im ursprünglichen Plan zwei Privateigentumswohnhäuser vorgesehen waren, sodass es durch diese Maßnahmen zu einer größeren Verdichtung kam. Insbesondere wurden demzufolge die letzten beiden Bauabschnitte Garaths, also Nordost und Südost somit zum verdichteten Raum und damit auch größer als geplant.

Garath heute, Blickrichtung Frankfurter Straße stadtauswärts/Rostocker Straße in Höhe Shell-Tankstelle, Foto: Florian Töpfer

 

Als zu Beginn der 60er Jahre die ersten Garather in den neuen Stadtteil einzogen, befand sich das große Areal an den meisten Orten noch in einer Baustelle. Meist waren die Gehwege noch nicht gepflastert, sodass viele Familien ihre neue Bleibe  umgeben von Dreck und Matsch genießen konnten und auch erst Mitte bis Ende der sechziger Jahre wurde das Gehwegenetz endgültig fertiggestellt. Schließlich waren zu Beginn noch sehr viele Baustellen offen und eine neue Wohnstadt von heute auf Morgen zu errichten unmöglich. So war auch die Versorgung der Garather zu Beginn spärlich, denn nur provisorische Containerläden wurden für die Versorgung eingerichtet, bis die Filiale des Warenhauses Karstadt die Vielfalt der Waren eröffnete und einen ganzen Stadtteil polarisieren konnte.

 

In den 60er und 70er Jahren waren die Schulen Garaths vollkommen überfüllt. Das Konzept der kinderreichen Wohnstadt war also aufgegangen. Die vielen Spielplätze und Erholungsflächen zwischen der Bebauung wurde voll und ganz angenommen, doch für die Erwachsenen und Älteren nicht sehr viel Programm geboten. Diese Komponente wurde nicht mit in den Planungen des neuen Stadtteils aufgenommen, sondern entwickelte sich im Laufe der Zeit selbst.  Der zentrale Treffpunkt, die Freizeitstätte am Sonnenrad bot damit nur einen Teil für Garaths neue Traditionen und das Vereinsleben. Dieses entwickelte sich zunehmend mit dem größer werden der Kinder und durch die Traditionen aus den ursprünglichen Heimatorten der Garather Bevölkerung, sodass insgesamt ein sehr bunt gemischtes und interessant zu beobachtendes Vereinsleben entstand. Der einzige Verein mit wirklicher Tradition, die Freiwillige Feuerwehr, die seit 1913 besteht, fand damals keinen großen Anklang, dafür aber viele andere. So wurden zu Beginn der Wohnstadt im Jahre 1967 zwei verschiedene Schützenvereine gegründet, die ab dato bei jeder größeren Veranstaltung ihr Programm zum Besten gaben. Schließlich etablierte sich schnell eine jährliche Veranstaltung mit großem Andrang rund um das Sonnenrad in Garath, bei dem alle Vereine Tanz und Musik bis heute zum Besten geben.

Garath heute, Blickrichtung Frankfurter Straße stadtauswärts/Carl-Friedrich-Goerdeler Straße, Foto: Florian Töpfer
         
  Garath heute - 50 Jahre nach der 'Grundsteinlegung'  
 

 

Garath hat sich in den letzten 50 Jahren nach der Grundsteinlegung mächtig entwickelt. Viele neue Traditionen haben das Bild des Stadtteils verändert und die allgemeinen Gegebenheiten den Standort geformt. Die Struktur des Stadtteils und die Bebauung sind ungefähr gleich geblieben. Die Häuser der sechziger und siebziger Jahre stehen somit größtenteils noch, doch sie wurden durch den Einfluss der heutigen Zeit extrem verändert. Schließlich hat man festgestellt, dass die Wärmeisolierung an den schnell hochgezogenen Häusern für heutige Verhältnisse absolut unzureichend ist, sodass seit 2004 alle Garather Wohnmiethäuser eine neue Fassade erhalten haben und die unter anderem vorher für den Stadtteil typischen roten Backstein- und Waschbetonfassaden bis auf einige Ausnahmen verschwunden sind und die Wohnstadt in einem anderen Glanz erscheinen lassen. Somit wurde der Wohlfühlfaktor noch einmal gesteigert. Jedoch treten auch neue Probleme in den Vordergrund des Alltages. Der verdichtete Raum in den Ost-Bauabschnitten führt zu sozialen Problemen. Da überwiegend sozial schwache und geförderte Familien mit Migrationshintergründen hinzugezogen sind, kommt es zu einer höheren Kriminalitätsrate, als dies vorher der Fall war. Jedoch hält sich diese negative Entwicklung im Rahmen und auch nachts kann man mittlerweile wieder sicher durch Garath Ost flanieren, ohne ein flaues Bauchgefühl haben zu müssen, da die örtliche Politik verschärft Maßnahmen ergriffen hat, die dem entgegenwirkt.

 
 

 

Heutzutage bestimmen die Älteren die Wohnstruktur, all diejenigen, die in den 60er Jahren neu hinzugezogen sind und in der ersten Stunde Garaths dabei waren. Die Attraktivität für Familien ist durch die Maßnahmen der Stadt weiterhin gegeben, doch nicht mehr bestimmend. Die vielen Kinder Garaths sind größtenteils fortgezogen, meist in den in den 80er Jahren entstandenen südlich von Garath gelegenen Stadtteil Hellerhof, der als Ableger der Trabantenstadt Wohnraum für ca. 6.500 Bürger bietet, in überwiegend Einfamilienhäusern. Die heutige Entscheidung nach Garath zu ziehen steht häufig in Zusammenhang mit der guten Infrastruktur, wie zum Beispiel der Verkehrsanbindungen durch die S-Bahn, womit ein wichtiges Projekt aus der Gründerzeit immer noch einen übergeordneten Stellenwert einnimmt. Aus der Gründerzeit nicht mehr übrig geblieben ist das Karstadt Warenhaus im Haupteinkaufszentrum. Der Wandel in der gesamten Republik hin zu Discountern hat sich schon 2003 auch in Garath vollzogen, sodass die Versorgung der heute noch 18.500 Einwohner u.a. durch Aldi, Netto, Penny, Kodi, Schlecker und dm gewährleistet wird und als Neuanfang galt.

Insgesamt ist zusammenzufassen, dass die Entwicklung im Stadtteil Garath aufgrund der großen Individualität noch lange fortschreiten wird und sich anpassungsfähig präsentiert. Als Freiwillige Feuerwehr sind wir stolz mittendrin dabei zu sein und wollen das Ganze so gut es geht mit vollem Tatendrang weiterhin unterstützen. Wir stehen gerne für Ihre Sicherheit bereit.

 
 
 
 
Garath heute, Wahrzeichen des Stadtteils, das Sonnenrad, Foto: Florian Töpfer
 
         
 
 
 
Auszüge aus 'Entstehung einer Trabantenstadt am Beispiel Düsseldorf Garath', Florian Töpfer 2010
 
  Literatur (Auswahl):      
  Chamier, von (Hg.) 1928: Der Landkreis Düsseldorf und die Neugliederung der Verwaltungsbezirke des Regierungsbezirkes Düsseldorf. Düsseldorf  
  Draesel, Hans Wolfgang 1977: Düsseldorf, eine Stadt wandelt sich. Düsseldorf  
  Oberstadtdirektor der Landeshauptstdt Düsseldorf (Hg.) 1965: Garath, ein neuer Stadtteil inDüsseldorf. Düsseldorf  
  Schmitz, Herrmann 1921: Geschichtsbilder aus dem Landkreise Düsseldorf, Teil 1. Lintorf  
         
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